laut.de-Kritik

Party like it's 2005 mit britischer Indie-Pop-Lässigkeit

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"Living For The Weekend" – Hymne und herrlich britische Pub-Seligkeit in einen Song gegossen wie ein kühles Pint: Erschienen auf dem Debüt-Album "Stars Of CCTV", mit dem Hard-Fi aus dem wenig glamourösen Staines, gelegen innerhalb des Autobahnrings M25 und nahe dem Flughafen Heathrow, nicht nur ein Portrait dieses trostlosen Vororts schufen, sondern auch mit ihrem rotzigen und roughen Indie-Dance-Punk-Mix eine neue Britwelle lostraten.

15 Jahre später ist das Quartett wieder da, und Frontmann Richard Archer konstatiert: "Es geht darum, die Freude am Leben zu finden, während alle versuchen, dir in die Eier zu treten." Wieso fürs Wochenende leben, wenn man doch jeden Tag feiern kann? Und Hard-Fis Musik passt da perfekt – als sei kein Tag seit 2007 vergangen.

"Sweating Someone Else's Fever" entstand in ihrem aus einem ehemaligen Taxi-Büro umgebauten Studio. Eine passende Umgebung für die neuen Songs über eine zerfahrene Gegenwart in Großbritannien, in denen Sozialkritik, Schwermut und Selbstzweifel mitschwingen – aber natürlich immer auch die englische Sehnsucht nach Exzess im Feiern.

Das energetisch-fröhliche "Looking For Fun" klingt direkt wie aus den 2000er ins Jetzt gebeamt und ist von der letzten Zeile in The ClashsHappy Mondays: Das schlendernde "Ain't Going Out Tonight" halluziniert eine dreckige Nachtclubszene in Retrospektive. Beide Songs sind typisches tanzbares Hard-Fi-Material, vielleicht nur ein weniger verschwitzt als früher – ganz gemäß dem Albumtitel.

Dafür mit ein paar neuen Nuancen gewürzt, wie in "Digo Nada", wo Cumbia-Musik und der kolumbianische Rapper Mike Kalle für entspannte Klänge in Richtung Manu Chao oder auch Gorillaz sorgen. Auch "Humpback Fever" klingt verdächtig nach der Combo um Damon Albarn.

Die Lads-Kombination Gitarren und Männer wird ebenfalls durchbrochen, auf zwei Songs ist Schauspielerin und Sängerin Krysten Cummings dabei, die für überraschend smoothe R'n'B-Pop-Vibes in den Hard-Fi-Tracks sorgt. Der Opener "They Ain't Your Friends" kommt dabei lässig und treibend zugleich mit Talking-Heads-Rhythmus, sorglosem Chumbawamba-Sound und coolen The-Streets-Anleihen daher. Sonst hört man viel Synth-Sound, Brit-Pop und Post-Punk-Atmosphäre – und ab und an jault eine Polizeisirene durch die Songs, Großbritannien ist immer noch das Land of CCTV.

Insgesamt ist "Sweating Someone Else's Fever" unbeeindruckt von der langen Bandpause erstaunlich unverkrampft geraten. Wie ein lockerer Abend im Pub, nur eben nicht mehr nur am Wochenende bis zum Exzess, sondern entspannt, wann man will – wunderbar im unter der Disco-Kugel schimmernden mitreißenden Indie-Pop-Instanthit "Now An Then" zusammengefasst, das mit George Michael-Gedächtnissaxofon nostalgisch ausfadet.

Trackliste

  1. 1. They Ain't Your Friends
  2. 2. Digo Nada (feat. Mike Kalle)
  3. 3. You Rule My Heart (When The Summer's Gone)
  4. 4. Humpback Whale
  5. 5. Looking For Fun
  6. 6. A Rose Electric (feat. Krysten Cummings)
  7. 7. Always and Forever (Remastered)
  8. 8. Arise
  9. 9. Ain't Going Out Tonight (feat. Krysten Cummings)
  10. 10. Now and Then
  11. 11. Don't Go Making Plans

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