laut.de-Kritik
Münchner Mut: Die eigenen Wurzeln auch mal loslassen.
Review von Simon LangemannDie mittlerweile zum Markenzeichen aufgestiegene Produktivität der Band assoziiert der aktuelle Jamaram-Pressetext scherzhaft mit dem Restless-Legs-Syndrom - wofür sowohl der Tonträger-Output als auch die quasi endlose Tour eine überzeugende Begründung liefern. Mit "La Famille" legt das unermüdliche Kollektiv sein fünftes Studioalbum vor.
Und die Platte stellt vor allem eines klar: Dem Roots-Reggae und seinen Idealen haben Jamaram erst mal den Rücken gekehrt. Einzig "Babylon", der Songtitel legt es nahe, passt noch einigermaßen ins einst gezeichnete Raster. Ansonsten nutzen die weit gereisten Bajuwaren den früher so dominanten Offbeat nur noch stellenweise und höchst dezent. So etwa beim eindringlichen Albumhöhepunkt "Plant Song", der schöne Erinnerungen an "Carried Away" weckt.
Doch nicht nur im Kontext der 2004 mit "Kalahassi" einsetzenden Diskographie demonstrieren Jamaram einmal mehr ihre beeindruckende Wandlungsfähigkeit. Auch beim neuen Werk gehts stilistisch kunterbunt und nach dem Chamäleon- bzw. "Jameleon"-Prinzip zu.
Das von Produzent und Engineer Umberto Echo zusammengehaltene Groovespektrum reicht so weit wie eh und je, wohingegen seine Eckpfeiler erneut komplett renoviert erstrahlen. Völlig reibungslos koexistieren etwa die Latin-Bombe "Slow", der bluesige Soul-Walzer "Sweet Madeleine" oder das stampfende, exotische "Try Try Try", bei dem hier und da ein wenig Leslie Feist mitschwingt.
Voll auf ihre Kosten kommen die Liebhaber des handgemachten verspielten Akustiksounds, den man auf dem tight produzierten "Jameleon" im Nachhinein doch etwas vermissen konnte. So verwöhnt gleich die ungewohnt behutsame Eröffnung "Miniature Walrus" mit sanft gezupften Nachschlägen und sachten Bläserparts.
Das Kontrastprogramm liefert etwa die treibende Vorabsingle "Lonely". Dafür, dass deren Refrainmelodie ein wenig an Flo Ridas "Low" erinnert, entschädigen reihenweise Assoziationen zur australischen Ausnahmeband The Cat Empire. Das eigentümliche "Solid As A Rock" glänzt anfangs mit einer ergreifender, vom Piano getragenen Melodie, um schon wenig später in kräftigen Breitwand-Rock mit zahlreichen Taktwechseln und einer eigentümlichen Hook umzukippen.
Man sollte meinen, dass das Schaffen einer Band, die jahrelang quasi ohne Pause zwischen Liveclubs, Sprinter, Proberaum und Studio pendelt und dabei fast ausschließlich auf positive Vibes setzt, sowohl Fans als auch Mitglieder irgendwann langweilt. Bei Jamaram tut es das überraschenderweise auch nach zwölf Jahren nicht.
Vermutlich deshalb, weil sich die Münchner "Gigmonster" im Gegensatz zu vielen Acts ähnlichen Kalibers nicht scheuen, ihre Wurzeln zugunsten komplett neuer Inspiration einfach mal loszulassen.
4 Kommentare
drecksgruppe glaub ich, naja hab noch quasi nix gehört, aber so deutsch reggae is mir doch zuwieder, wo ich eh schon nich dr. r. bin
drecksgruppe glaub ich, naja hab noch quasi nix gehört, aber so deutsch reggae is mir doch zuwieder, wo ich eh schon nich dr. r. bin
Ich hoffe, du bist nicht Stimmberechtigt in Deutschland. Tut der Demokratie nicht gut.
@Skaos (« Ich hoffe, du bist nicht Stimmberechtigt in Deutschland. Tut der Demokratie nicht gut. »):
Word!^^