laut.de-Kritik
Tribute mit Herz und sehr viel Gitarren-Solis.
Review von Jasmin LützEs ist immer eine schöne Geste, wenn Bands ihre verstorbenen Mitmusiker ehren. So wie The Damned mit dieser Compilation "Not Like Everybody Else". Die Londoner, die mittlerweile 50 Jahre Bandgeschichte auf dem Buckel tragen, widmen zehn Coverversionen ihrem Gründungsmitglied Brian James. Der Gitarrist starb im März 2025 im Alter von 70 Jahren.
Captain Sensible, ebenfalls Gründungsmitglied (früher am Bass und jetzt an der Gitarre) nannte Brian den Riffmeister und bezeichnete ihn als Freund und Gentleman. "New Rose" gilt als die erste Punk-Single von The Damned (noch bevor The Clash oder Sex Pistols ihre englischen Punk-Hymnen präsentierten), und Brian ist bei noch weiteren Songs auf dem legendären Monster-Debüt von 1977 Damned Damned Damned als Songschreiber beteiligt.
Mit dem rumpeligen Punk-Sound der 1970er hat "Not Like Everybody Else" nur noch wenig zu tun. Es beginnt mit R. Dean Taylors R&B-1960s Tanz-Hit "There’s A Ghost In My House". Das Original erschien auf Motown Records und schaffte es 1974 auf Platz 3 der UK-Charts. Northern Soul meets Gothic Rock.
Gothik-Rock gab in den 1980ern bei The Damned den Ton an. Sie tobten sich in verschiedenen Genre aus (zuletzt gab es düsteren psychedelischen Sound) und waren in den ganzen 50 Jahren auch auf der Bühne aktiv. Brian James spielte sogar nach seinem Ausstieg in der Tourband von Iggy Pop. Da darf natürlich ein Iggy & The Stooges Cover nicht fehlen. In Gimme Danger oder auch in "Summer In The City" von The Lovin' Spoonful bestimmt die Gitarre das Geschehen. Stimmlich wird von Dave vielleicht nicht mehr so kräftig abgeliefert, aber die Gitarrensolis eines Captain Sensible rocken sich noch immer prominent in den Gehörgang. Da dauert das Solo allerdings auch gefühlt länger als der ganze Song, aber so ist das mit den Herren, die sich mit viel Leidenschaft in die Saiten hängen.
Der Rock'n'Roll-Spirit fließt nach so vielen Jahren immer noch durch die Band, auch wenn der Schrammel-Punk schon für mehr Begeisterung sorgte. Früher klang alles angenehm chaotisch, jetzt nehmen The Damned ein Album in nur fünf Tagen auf, und bei all den Emotionen und der Energie sind keine großen Überraschungen dabei. Apropos Überraschung, da fällt einem sofort Captain Sensible ein. Der sorgte mit seinem "Wot" 1982 für einen New Wave-Disko-Hit und performte mit Dolly Mixture in der britischen TV-Charts-Show Top Of The Pops. Das war überraschend gut.
The Damned hätten auf diesem Cover-Album alle Stücke rotziger runterspielen können, aber sie verleihen jedem Song ihren eigenen Spirit. Auch wenn es gesanglich nicht an die Originale rankommt und mittlerweile der Punk zum Rock-Monster mutiert, steht die Leidenschaft und Freude am Spielen im Vordergrund. Im letzten Track "The Last Time" im Original von 1965 von den Rolling Stones hört man Brian James noch mal selbst am Instrument. Aufgenommen im Oktober 2022 im Londoner Hammersmith, ein letzter gemeinsamer Bühnenauftritt mit The Damned und seinem vermissten Riffmeister.
Brian verließ bereits Ende der 1970er die Band, und es dauerte einige Zeit, bis er einer Reunion zusagte.
1976 gründeten sich The Damned. Sänger Dave Vanian, Captain Sensible an der Gitarre, Schlagzeuger Rat Scabies, Paul Gray am Bass und Keyboarder Monty Oxymoron. Und mit diesem Tribute erinnern sie herzlich an ihren alten Freund und Mitmusiker Brian James und zeigen somit auch ihre Liebe zu diesen zehn Klassikern der Musikgeschichte. Aber beim nächsten Mal kann es gerne wieder etwas mehr rumpeln.


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