laut.de-Kritik

Die Songs der Kanadier im klassischen Gewand.

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Schon in der Vergangenheit haben sich Metal-Bands wie Metallica oder Dream Theater mit einem Orchester zusammengetan, um ihre Tracks in ein klassisches Gewand zu pressen. Die Ergebnisse blieben Geschmacksfrage. Auch Voivod-Schlagzeuger Michel 'Away' Langevin hatte diese Idee schon lange im Kopf, so dass sich die Formation mit dem Orchestre Symphonique de Québec zusammengetan hat, das Dina Gilbert dirigiert, um ihre Stücke neu arrangiert am 4. Juni 2025 im Grand Théâtre de Québec auf die Bühne zu bringen. Nun erscheint mit "Symphonique (Live)" der dazugehörige Mitschnitt.

Der umfasst zwölf Songs aus dem Backkatalog, wobei der Großteil zwischen 1984 und 1989 stammt, also die Phase, in der sich, wurzelnd im punkigen Thrash, der ausgeklügelte, progressive Sound, für den die Kanadier stehen, nach und nach immer mehr herausbildete. Die alternativ geprägten Klänge der 90er-Alben sucht man dagegen vergeblich.

Wenn anfänglich im Opener "Experiment" Totenglocken, finstere Streicher und dissonante Bläser erklingen, hat man das Gefühl, dass die letzten Tage der Menschheit bevorstehen. Nach einer längeren Gitarreneinleitung thrashen Voivod in gewohnt komplexer Manier vor sich hin, während das Orchester für dramatische Akzente sorgt. Jedenfalls geht das Metal meets Klassik-Experiment zu Beginn gut auf, wie auch das anschließende "Holographic Thinking" vom aktuellen Studioalbum "Synchro Anarchy" verdeutlicht, wenn Band- und Orchesterklänge zu einer Einheit verschmelzen.

Oftmals übertönt das Orchester jedoch die Arrangements der Kanadier, so dass der Musik kaum noch Luft zum Atmen bleibt. In "The Unknown Knows" und "The End Of Dormancy" täuscht die Atmosphäre, die an die Filme von Stanley Kubrick denken lässt, nicht darüber hinweg, dass jegliche Präzision, Kühle und Nüchternheit, die den Sound Voivods ausmacht, im Bombast völlig untergeht. Am besten klingt die Musik dann, wenn wie beim Gitarrensolo von "Forgotten In Space" die sinfonischen Töne eine eher ergänzende denn dominante Funktion einnehmen.

Für eigene Akzente sorgt das Orchester in "Pre-Ignition" und "Nuclear War", hält sich aber auch an den richtigen Stellen zurück, so dass beide Songs mit zu den Highlights dieses Live-Mitschnittes zählen. In "Fall" setzt man dagegen auf eine pompöse Soundkulisse, die direkt aus einem Steven Spielberg-Film entsprungen sein könnte, was den positiven Eindruck zuvor zunichte macht.

"Tribal Convictions" reißt das Ruder noch mal herum, wenn getragene Streicher- und Bläserklänge hervorragend die düstere Stimmung des Tracks unterstreichen. Den Schluss- und Höhepunkt des Auftrittes bildet "Astronomy Domine", im Original von Pink Floyd, das durch die sinfonischen Arrangements zu majestätischer Größe heranwächst, ohne überladen zu wirken.

Trotzdem hat man an einigen Stellen den Eindruck, dass durch die zu dick aufgetragenen Klassiktöne von der eigentlichen Essenz der Musik nicht mehr viel übrig bleibt. Vieles fühlt sich mehr nach Hollywood-Blockbuster statt nach 80er-Jahre-Sci-Fi-Groschenroman an. Letzten Endes hat sich Michel 'Away' Langevin mit "Symphonique (Live)" nicht unbedingt den größten Gefallen getan, obwohl es sicherlich schon schlimmere Metal meets Klassik-Versuche gab.

Trackliste

  1. 1. Experiment
  2. 2. Holographic Thinking
  3. 3. The Unknown Knows
  4. 4. The End Of Dormancy
  5. 5. Into My Hypercube
  6. 6. Forgotten In Space
  7. 7. Cosmic Drama
  8. 8. Pre-Ignition
  9. 9. Nuclear War
  10. 10. Fall
  11. 11. Tribal Convictions
  12. 12. Astronomy Domine

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