laut.de-Kritik
Wandlungsfähig wie eh und je.
Review von Toni HennigDas Line-Up von Mayhem erweist sich mit Attila Csihar am Mikro, Necrobutcher am Bass, Hellhammer an den Drums sowie den beiden Gitarristen Teloch und Ghul seit 2012 als erstaunlich stabil. Vor sieben Jahren katapultierten sich die Norweger mit "Daemon" wieder in die oberste Klasse des Black Metals zurück. Auf "Liturgy Of Death", das um den Tod in all seinen Erscheinungsformen kreist, ruht sich die Band nicht einfach so auf ihrem Erbe aus, sondern verbindet Elemente aus so gut wie sämtlichen Schaffensphasen zu einer düsteren Gesamteinheit.
"Ephemeral Eternity", für das Garm von Ulver finstere Vocals beisteuert, baut sich langsam und bedrohlich auf, geht ab der zweiten Minute in eine schnellere Passage mit kehligem Gesang Attilas über, nimmt aber das Tempo zugunsten atmosphärischer Spoken Word- und verspielter Saitentöne immer wieder raus. Dank des überaus transparenten Soundbildes kann man den Songstrukturen sehr gut folgen, sämtliche Details kommen präzise zur Geltung.
"Despair" gerät klanglich etwas orthodoxer und klassischer, lässt aber dank der Vokalakrobatik Csihars, der zwischen garstigen Momenten und predigendem Rezitativ immer wieder hin- und herwechselt, Atmosphäre nicht vermissen. Mehr seine theatralische Seite betont der Sänger in "Weep For Nothing", was etwas an Arcturus denken lässt, während in "Aeon's End" im rasenden Sound noch Zeit für ein kurzes Gitarrensolo bleibt.
Als Höhepunkt kristallisiert sich "Funeral Of Existence" heraus, das mit melodiösen Gitarrenleads und düsteren Vocals eher an den Melodic Black Metal von Dissection als an das Kalte und Misanthropische früherer Mayhem-Veröffentlichungen denken lässt. "Realm Of Endless Misery" pendelt zwischen gnadenlosem Geknüppel und dissonanter Verspieltheit hin und her, während die Stimme Attilas schon fast rituelle Qualitäten entfaltet. In "Propitious Death" schlägt das Pendel dann noch mehr Richtung Progressivität aus.
Ganz anders das abschließende "The Sentence Of Absolution", das mit kalten, messerscharfen Riffs gnadenlos nach vorne geht, gleichzeitig aber auch eine okkulte Stimmung verbreitet. Zum Schluss gesellen sich noch Tribal-Rhythmen dazu, so dass die Platte tänzerisch und voodooesk endet.
Letzten Endes bewegt sich "Liturgy Of Death" in der Mayhem-Diskografie etwas zwischen den Stühlen. Das Album klingt nicht so klassisch wie "Daemon", aber auch nicht so sperrig wie "Ordo Ab Chao". Eher regiert von der ersten bis zur letzten Minute kontrolliertes Chaos. Einerseits finden sich hin und wieder einprägsame Momente, andererseits bleibt die Musik komplex genug, um auch ein anspruchsvolleres Metal-Publikum anzusprechen. Das dürfte zwar nicht allen Fans schmecken, beweist aber auch, dass die Norweger, die in ihrer mehr als vierzigjährigen Karriere für so einige Skandale und Grenzüberschreitungen gesorgt haben, immer noch äußerst wandlungsfähig bleiben.


4 Kommentare mit 7 Antworten
Mayhem altern wie ein guter Wein, eine Seltenheit im norwegischen BM-Adel. Ich fand die Abkehr vom experimentellen Sound mit Daemon etwas entäuschend, aber über die Qualität der neuen Phase kann man auch kein bisschen meckern.
Mir hat das Album verdammt gut gefallen, gerade was Attila stimmlich leistet - der Schwenk zwischen Urfaust-Opern-Singsang, Spoken Words, abgrundtief ekelhaftem Gekreisch ... Just Attila Things halt, aber auf hohem Niveau. Hab die Digibook-Version mit Bonustrack daheim, der hat es auch in sich und lohnt sich
Ganz solide, aber für Mayhem auch irgendwie etwas zu zahm. Da erwartet man ja eigentlich etwas mit mehr Biss, mehr Ecken und Kanten und etwas Provokanteres. Das ist einfach solider Black Metal und daher für Mayhem etwas zu wenig
Viel zu harmlos.
Am besten war die Zeit von A Grand Declaration of War bis zu Esoteric Warfare.
Dann lieber Turnstile. Ist wenigstens richtiger Metal.
Trve that.
Ich dachte, Turnstile seien richtiger Hardcore?
Beatdown sogar.
Wie man Kirchen in Brand setzen, sich gegenseitig abzumurksen oder Schlachtrituale auf der Bühne weiter toppen kann, weiß ich auch nicht. Da ist mir die musikalische Ambivalenz lieber, der Old School-Fraktion auch mal hin und wieder den eigenen Hörgewohnheiten etwas entgegenzusetzen.
Naja, Black Metal mit Watteplüsch zu versehen, darauf kann die OS-Fraktion gerne verzichten. Gibt genügend andere Bands die liefern!